Wie wenig nütze ich bin...

wie wenig nütze ich bin
ich hebe den finger und hinterlasse
nicht den kleinsten strich
in der luft

die zeit verwischt mein gesicht
sie hat schon begonnen
hinter meinen schritten im staub
wäscht regen die strassen blank
wie eine hausfrau

ich war hier


ich gehe vorüber
ohne spur
die ulmen am weg
winken mir zu wie ich komme
grün blau goldener gruss
und vergessen mich
eh ich vorbei bin

ich gehe vorüber -
aber ich lasse vielleicht
den kleinen ton meiner stimme
mein lachen und meine tränen
und auch den gruss der bäume im abend
auf einem stückchen papier

und im vorbeigehn
ganz absichtslos
zünde ich die ein oder andere
laterne an
in den herzen am wegrand

Hilde Domin